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Hochzeitbräuche in anderen Ländern, heute: Russland

Basilius-Kathedrale in Moskau. Bild von Stefan Escher - pixelio.de

Basilius-Kathedrale in Moskau. Bild von Stefan Escher – pixelio.de

Eine Hochzeit in Russland ist ein wahrlich aufwändiges und feierliches Ereignis. Dabei gibt es zwar viele Hochzeits-Bräuche, die wir auch in Deutschland kennen, wie den Junggesellenabschied , welcher der Hochzeit voraus geht, aber einige Bräuche sind bei einer Hochzeit in Russland doch einzigartig. Dazu zählen insbesondere der „Freikauf“ der Braut und der „Schuhklau“. Watch Full Movie Online Streaming Online and Download

Keine russische Hochzeit ohne Brautkauf, Schuhklau und die Begrüßung mit Brot und Salz

Am Tag der Hochzeit muss der Bräutigam zunächst zum Haus der Braut fahren und diese dort frei kaufen. Die wichtige Zeremonie des Brautkaufs sieht vor, dass der Bräutigam zunächst an den Freundinnen der Braut „vorbei muss“, indem er bestimmte Aufgaben oder Spiele besteht. Erst dann geht es zu Standesamt und, wenn dies gewünscht ist, zur kirchlichen Trauung.


Danach fährt das Brautpaar mit den Gästen zusammen in geschmückten Autos zum Hochzeitsaal, wo traditioneller Weise bereits mindestens über hundert, manchmal sogar mehrere hundert Gäste warten. Zudem warten hier die Elternpaare mit Brot und Salz. Bräutigam und Braut müssen nun versuchen das größere Stück Brot abzubeißen um festzustellen, wer später in der Familie „die Hosen anhaben wird“, wie wir in Deutschland so schön sagen. Dieser Brauch ist vergleichbar mit unserem Brauch vom gemeinsamen Anschneiden der Torte und der Beobachtung, wer dabei die Hand oben hat.

Danach folgen Geschenkübergabe und Büffet-Eröffnung, während die Hochzeitsgäste den ganzen Abend über immer wieder „Gorka“ rufen, was so viel bedeutet wie „bitter“ und das Brautpaar dazu nötigen soll sich wieder zu küssen. Nach russischer Tradition müssen beim Festessen Salate, kaltes Fleisch, Eingelegtes wie Salzgurken oder Tomaten und natürlich jede Menge Wodka auf den Tischen stehen. Auch leckerer Nachtisch darf natürlich nicht fehlen. Üblich sind süßliche Brote, Torten, Kuchen, Strudel, Palatschinken und anderes Gebäck wie die leckeren „Oreschki“ (Zaubernüsse). Das älteste russische Dessert nennt sich „Kisel“ und ist ein Gelee aus Trockenobst, Beeren, Melasse und Milch.

Irgendwann im Verlauf des Abends wird auf jeder russischen Hochzeit von „Zigeunern“ der Brautschuh gestohlen. Dieser muss nun, damit die Braut endlich weiter tanzen kann, von den Gästen zurück gekauft werden. Wer besonders viel spendet, darf den Trauzeugen eine Aufgabe stellen, die sie erfüllen müssen, als Strafe, dass sie den Diebstahl des Schuhs nicht verhindert haben.

Traditionell wird dann kurz vor Mitternacht der Braut von ihrer Patentante der Schleier abgenommen und sie wirft den Brautstrauß in einem Kreis von anderen Mädchen/Frauen. Genau wie in Deutschland wird diejenige, die ihn gefangen hat, als nächstes heiraten.

Da in Deutschland etwa 4 Millionen “Russen” leben, könnte der eine oder andere schon einmal eine deutsch-russische Hochzeit erlebt haben. Da solche Hochzeiten nicht nur in Russland sehr großangelegt, aufwändig und damit sehr stressig sind, wird traditionell ein sogenannter „Tamada“ beauftragt – ähnlich einem „Wedding Planner“ bei uns – nur dass dieser auch für die gesamte Durchführung der Feier verantwortlich ist, damit das Brautpaar sich an ihrem großen Abend wirklich um nichts kümmern und sich nur küssen müssen.