Hochzeitbräuche in anderen Ländern, heute: Polen

Das schöne Danzig. Bild von Roger Mladek pixelio.de

Das schöne Danzig. Bild von Roger Mladek – pixelio.de

Jedes Land hat seine eigenen Traditionen. Bei Familienfesten wie Hochzeiten zeigen sich die landestypischen Unterschiede deutlich. In Polen werden Hochzeiten ausgiebig gefeiert. Eine polnische Hochzeit ist eine fröhliche Veranstaltung, bei der sehr viele Menschen zusammenkommen. Der Hochzeit geht die Verlobung voraus, der man im katholisch geprägten Land große Bedeutung beimisst. Die Verlobungsfeier ist sehr persönlich und findet im kleinen Rahmen statt. Meist sind nur Eltern und künftige Schwiegereltern anwesend. Sie dient dem Kennenlernen der Elternpaare und ist die beste Gelegenheit, die Hochzeitvorbereitungen zu besprechen. Auch bei der Verlobung gibt es ein Festmahl, schließlich möchte sich der Gastgeber von seiner besten Seite zeigen.

Begehrter Hochzeitstermin: Das Weichselkranzfest

In Polen gibt es viele, Jahrhunderte alte Hochzeitsbräuche, die noch vor der kirchlichen Trauung zelebriert werden. Während Bräuche auf dem Land noch stark verwurzelt sind, verlieren sie in den Städten immer mehr an Bedeutung. Beliebtester Hochzeitsmonat ist der Juni, aber auch der Dezember ist begehrt. Im Juni kann man die Hochzeit mit besonders schönen Traditionen verknüpfen, zum Beispiel dem Weichselkranzfest. Dabei lässt man mit Kerzen verzierte Blumenkränze auf dem Wasser schwimmen, was Glück bringen soll.

Keine polnische Hochzeit ohne Brot, Wodka und Salz


Die kirchliche Trauung hat große Bedeutung in Polen. Für viele Familien ist sie wichtiger als die standesamtliche Trauung. In früheren Zeiten was es wie in Deutschland üblich, dass der Vater die Braut in die Kirche führte. Heute geht das Brautpaar alleine zum Altar.

Nach der Trauung wirft die Hochzeitsgesellschaft Münzen vor die Füße des Paares, die sie aufsammeln müssen. Wer das meiste Geld sammelt, ist der Chef in der Beziehung. Von den Eltern wird das Brautpaar mit Brot, Wodka und Salz begrüßt. Die Partner küssen das Brot, trinken den Wodka und werfen anschließend die Gläser hinter sich. Scherben soll Glück bringen, das Brot ist ein Symbol für Wohlstand. Auf die Tradition, dass der Bräutigam seine frisch angetraute Frau über die Schwelle des Hauses trägt, legt man in Polen ebenfalls sehr viel Wert.
Beim Festessen gibt es eine angestammte Sitzordnung: Rechts und links neben den Brautleuten sitzen Eltern, Schwiegereltern und Trauzeugen.

Nach dem Essen darf getanzt und gefeiert werden. Eine Hochzeitsfeier in Polen dauert oft bis in den Morgen und eine Kapelle ist immer dabei. Man spielt gesellige Spiele, beispielsweise die Reise nach Jerusalem, was auch in Deutschland gerne gespielt wird. Tanz und Spiel werden immer wieder von neu gereichten Speisen unterbrochen. Die kleinen Snacks fallen regional unterschiedlich aus, doch Fleisch ist immer dabei. Im Land mit fast 400 Wurstsorten liebt man Deftiges, so dass Vegetarier manchmal nach dem passenden Gericht suchen müssen. Um Mitternacht wirft die Braut keinen Blumenstrauß, sondern ihren Schleier in die Menge, der Bräutigam tut das Gleiche mit Fliege oder Krawatte. Das nächste Brautpaar steht also bald fest.