Hochzeitbräuche in anderen Ländern, heute: Japan

Blick zur Burg Odawara. Von bildpixel - pixelio.de

Blick zur Burg Odawara. Von bildpixel – pixelio.de

Im Land der aufgehenden Sonne sind aufwändige, buddhistische Hochzeitstraditionen noch weit verbreitet. Doch in den Städten zelebriert man immer öfter auch europäisch inspirierte Hochzeiten.

Die japanische Hochzeit: Kostspielig für alle Beteiligten

Eine japanische Hochzeit kostet durchschnittlich 30.000 €. Selbst wer sich eine Hochzeitsausstattung ausleiht, muss mindestens 5.000 € dafür bezahlen. Die eigentliche Trauung in Japan findet im engsten Familienkreis statt. Die große Hochzeitsparty mit Verwandten, Freunden und Kollegen findet später statt. Hierfür müssen die Gäste teure Eintrittskarten erwerben. Auch Geldgeschenke im Wert von mindestens 500¥ werden erwartet. Das Geld überreicht man in einem kostbar verzierten Umschlag. Bei der Gestaltung dieser Papiere geben sich Japaner sehr viel Mühe. Ein innerer und ein äußerer Umschlag werden mit dem Namen des Schenkenden versehen und mit der Geldsumme beschriftet. Kunstvoll angebrachte Zierfäden sollen die Dauerhaftigkeit der Ehe symbolisieren und dem Paar Kindersegen bescheren.

In Japan wird buddhistisch, christlich oder shintôistisch geheiratet

Die standesamtliche japanische Hochzeit ist sehr kurz und formell. Nicht einmal die Anwesenheit von Braut und Bräutigam ist dafür erforderlich. Der Standesbeamte versieht lediglich eine Urkunde mit den Siegeln der Brautleute. Japanische Hochzeitsfeiern hingegen sind aufwändig, werden minutiös geplant und variieren je nach religiösem Hintergrund. Buddhistische, christliche oder shintôistische Hochzeiten sind sehr verschieden. Daher haben viele Hotels besondere Räume, die den individuellen Wünschen des Hochzeitspaares gerecht werden. 65% der japanischen Hochzeiten finden heute nach christlicher Tradition statt, auch wenn sich die Brautleute nicht unbedingt dem Christentum verbunden fühlen.

Weißes Brautkleid oder teuren Kimono?


Moderne und traditionell verhaftete Japaner legen Wert auf eine reiche Ausstattung der Hochzeit. Das zeigt sich in den aufwändigen Tischgestecken, aber vor allem in der Kleidung. Bei den jungen Städtern setzt sich aus romantischer Neigung das weiße Brautkleid nach europäischer Tradition durch. Bei konventionellen Hochzeiten im japanischen Stil hat der teure, reich geschmückte Kimono große Bedeutung. Eines der schönsten Kleidungsstücke für die Zeremonie ist der Shiromuku. Es handelt sich um einen weißen Seidenbrokatkimono mit wundervollen Kranichstickereien. Sie symbolisieren dauerhaftes Glück. Die wenigsten Familien können sich diesen Kimono leisten, darum leiht man sich das teure Stück. Auch die Leihgebühren haben den Wert eines Mittelklassewagens und liegen bei gut 25.000 €. Kein Wunder, dass viele junge Leute gern im Ausland heiraten und die pompöse Hochzeitsfeier umgehen, um Kosten zu senken. Gerne nehmen Japaner die Gelegenheit zum Verreisen wahr. Eine Hochzeitsreise ist deshalb so beliebt, weil man Urlaub bekommt, der seitens der Arbeitgeber äußerst knapp bemessen ist.

Nach der Hochzeit trägt die Japanerin einen anderen Kimono, den Uchikabe. Auch der ist teuer, wird von den Brauteltern geschenkt und als Geldanlage betrachtet. Einen Kimono kann man nicht alleine anziehen. Wenigstens drei Helfer sind notwendig, um die Wickeltechnik richtig durchzuführen.

Auch wenn sich die japanische Gesellschaft wandelt, geben viele Frauen mit der Hochzeit ihren Beruf auf und sind nur noch für die Familie da.