Brautschleier / Braut über die Schwelle tragen


Aberglaube und Volksglaube sind häufig Grundlage vieler Bräuche und eben auch der Hochzeitsbräuche. Der Glaube an den „Bösen Blick“, der bis zu den Babyloniern und 3000 v. Chr. zurückgehen soll, ist sicherlich einer der Ältesten.

Aus okkulten und magischen Schriften früherer Zeiten geht hervor, dass sich die Menschen in den für sie unerklärlichen Blicken der Augen einen „kleinen Mann“ vorstellten, der über große Macht verfügte und häufig unheilvoll sein konnte. Später wurden solche Bildlichkeiten im Rahmen von Augen als „Spiegel der Seele“ – einer Seele die eben auch verderbt sein kann – häufig wieder aufgegriffen.

Da sogar Einäugigen mit Glasaugen, Blinden und sogar Toten noch die Fähigkeit des Bösen Blicks zugesprochen wurde, entwickelten sich beispielsweise auch die Gewohnheiten Verstorbenen sofort die Augen zu schließen oder zum Tode Verurteilten die Augen zu verbinden, aus Angst sie könnten Beobachter noch mit Blicken Leid zufügen.

Dementsprechend sollte auch die Braut durch den Brautschleier vor bösen Blicken geschützt werden. Und selbst die Tradition, die Braut über die Türschwelle zu tragen, geht darauf zurück: Böse Geister auf der Türschwelle oder ein mit dem bösen Blick bedachter Boden oder Türrahmen sollte auf diese Weise nicht von der Braut berührt werden.